Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Nerandomilast verlangsamt progrediente Lungenfibrose
Autor*in Studienreferat
Dr. med. Susanne Krome, Melle
Originalpublikation
Maher TM, Assassi S, Azuma A et al. Nerandomilast in Patients with Progressive Pulmonary Fibrosis. N Engl J Med 2025; 392: 2203–2214. DOI: 10.1056/NEJMoa2503643
Fazit
Nerandomilast verlangsamte in beiden Dosierungen das Fortschreiten der progredienten Lungenfibrosen. Auch Erkrankte mit zusätzlichem Nintedanib profitierten. Die Verschlechterung der Lungenfunktion war in dieser Gruppe insgesamt deutlicher. Die Studiengruppe vermutet, dass die Lungenfibrosen der kombiniert Behandelten aggressiver waren und länger bestanden.
FIBRONEER-ILD war eine doppelblinde placebokontrollierte Studie, die an 403 Standorten in 44 Ländern mit der Unterstützung des Herstellers durchgeführt wurde. Die Teilnehmenden waren Erwachsene mit interstitiellen Lungenerkrankungen außer idiopathischen Lungenfibrosen. Die Fibrosierung überstieg in der hochauflösenden CT 10% des Lungengewebes, die forcierte Vitalkapazität (FVC) betrug ≥45% und die CO-Diffusionskapazität (DLCO) ≥25% des vorhergesagten Werts. Die fortgesetzte Einnahme des Tyrosinkinaseinhibitors Nintedanib war erlaubt. Die Applikation von Mycophenolat-Mofetil gehörte hingegen zu den Ausschlusskriterien. Die Nerandomilast-Therapie erfolgte mit 2-mal täglich 18mg, 9mg oder Placebo. Wesentlicher Endpunkt war die Veränderung der FVC nach 52 Wochen. Zu den sekundären Endpunkten gehörte das Kompositum aus Exazerbation, Hospitalisierung und Tod. Zur Einschätzung der Lebensqualität füllten die Patient*innen das Pulmonary Fibrosis Questionnaire aus (Dyspnoe-, Husten-, Fatigue-Score). Verlaufskontrollen erfolgten in den Wochen 2, 6, 12, 18, 26, 36, 44, 52 und danach vierteljährlich.
1176 Teilnehmende waren durchschnittlich 66 Jahre alt. Die FVC betrug 70,1% und die DLCO 49,3% (jeweils mean). 43,5% nahmen Nintedanib ein. 391 erhielten 2-mal täglich 18mg Nerandomilast, 393 bekamen 2-mal täglich 9mg und 231 Placebo. Die mittleren Expositionsdauern betrugen 14,2 Monate, 14,5 und 14,5 Monate. Die Gruppen waren hinsichtlich soziodemografischer und klinischer Basisdaten vergleichbar. 18mg und 9mg Nerandomilast waren nach 52 Wochen signifikant effektiver als Placebo:
- FVC –98,6ml vs. –84,6ml vs. –165,8ml,
- FVC –102,9ml vs. –87,8ml vs. –180,9ml bei zusätzlichem Nintedanib,
- Exazerbation, Hospitalisierung und Tod 24,3% vs. 28% vs. 31,1% und
- Tod 6,1% vs. 8,4% vs. 12,8%.
Die subjektiven Einordnungen von Dyspnoe, Husten und Fatigue unterschieden sich nicht.
Bei den unerwünschten Ereignissen dominierte Diarrhö, von der 36,6% (18mg Nerandomilast), 29,5% (9mg Nerandomilast) und 24,7% (Placebo) betroffen waren und die schwerer auftrat, wenn zusätzlich Nintedanib verabreicht wurde. Schwere Diarrhöen hatten 2,1%, 1,7% und 1%. Neue Sicherheitshinweise ergaben sich nicht. Therapieabbrüche kamen bei 10%, 8,1% und 10,2% vor. Hauptgründe waren Diarrhö und Verschlechterungen der Lungenfibrose.